Entscheidend – WM Tage 12 + 13

Machen wir es kurz. Ihr habt es ja alle gesehen, daher nur ein Schnellduchlauf – um mal Luft zu holen und die Hälfte der Entscheidungen in Sachen Achtelfinale mal aus der Ferne zu betrachten.

Uruguay: Gruppensieger – Achtelfinale. Unerwartet aber nicht unverdient. Prognose: Viertelfinalaus.

Mexiko: Achtelfinale. Verdient. Prognose: Achtelfinalaus gegen Argentinien.

Südafrika: Vorrundenaus. Haben im letzten Spiel fast für ein bisschen WM Magie gesorgt aber Ribéry Malouda hatte etwas dagegen. Prognose: Vuvuzela.

Frankreich: Ohne Sieg nach Hause. Da bis auf Ribéry Malouda auch ohne Tor, kommt das Vorrundenaus völlig verdient. Prognose: Tränen und Rotwein.

Argentinien: Gruppensieger – ungeschlagen. Messi bisher noch ohne Tor. Prognose: Finale. Mindestens.
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Nordkorea kapituliert – WM Tag 11

Ich hätte einfach nichts sagen sollen. Einfach ruhig hätte ich sein sollen. Die WM in Ruhe lassen. Bescheiden weiter gucken und subtil meckern. Aber nein. Ich musste es ja heraus fordern. SiebenNull. Für Portugal. Sogar Cristiano Ronaldo durfte mal. Was für ein Einstand in den Tag.

Das Spiel gegen Portugal war für Nord-Korea die letzte Chance, den Aufenthalt im imperialistischen Ausland zu verlängern und sie begannen im Gegensatz zu ihrem Spiel gegen Brasilien auch so als hätten sie das verstanden. Portugal hingegen schickte sich zunächst an,  an ihre Leistung vom 0:0 gegen die Elfenbeinküste anzuknüpfen und das Favoritensterben bei dieser WM zu vervollständigen.

Nach einigen Alibi-Chancen des Aussenseiters, die diese, ganz der Underdog, links und rechts elegant liegen ließen, hatte Raul Meireles in der 28. Minute die Schnauze voll und eröffnete, was sich als Torreigen herausstellen sollte: 1:0 Portugal. Es wurden noch hier und da ein paar Chancen vergeben und es ging mit einer Fußball-Welt, die in Ordnung war, in die Pause.
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Ich bin müde – Das WM Wochenende

Liebe WM, wir müssen reden.

Ich weiß, wir hatten vereinbart, dass ich Dich komplett anschaue und zu jedem Spiel ein paar mitteloriginelle Zeilen aus meinem nicht vorhandenen Fußballsachverstand quetsche. Der geschriebene Beckmann eben. Aber liebe WM, Teil dieses Deals war auch, dass Du gute Fußballspiele bietest. Denn sind wir mal ehrlich: Spiele wie Ghana gegen Australien oder Kamerun gegen Dänemark, in denen für mich so gar nichts auf dem Spiel steht (Dänemark ist eben nicht England) sind einfacher zu ertragen, wenn flotter, ideenreicher Fußball geboten wird.

Doch auch in den zurückliegenden zwei Tagen war die fußballerische Kost, die da über den Bildschirm flimmerte, eher mau. Dass ein Fußball, wie ihn zum Beispiel die Niederlande bisher boten, gegen Japan (1:0) zum vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale führte, empfindet mein Fußballgeschmacksnerv als grobe Beleidigung. Dass Du dann versuchst diesen Fauxpas mit einem staubtrockenen Pausensnack wie Australien gegen Ghana wieder auszugleichen, kann man Dir maximal als guten Willen durchgehen lassen. Das 1:1 dieser beiden Mannschaften war in etwa so interessant wie die Revision der Bebauungspläne des BBI zu studieren.

Und natürlich ist das einzige Spiel des Samstags, was ich vor lauter Frust nicht schaue, weil ich genug vom ewig gleichen Fußball habe, das Spiel der drei, welches ein bisschen Abwechslung bietet. Mal im Ernst liebe WM, das machst Du doch mit Absicht. Am Sonntag dann das gleiche Bild – das beste Spiel ist das Abendspiel, in dem Brasilien beweist, dass ihr neu gefundenes System sie zu einem ernstzunehmenden Titelaspiranten macht. Nur schön anzusehen war das alles nicht.

Der ewig gleiche Fußball im ewig gleichen System – nur marginal variiert. Wenn bei einer WM die spannendste Frage jedes Spiels die ist, ob der Trainer mit einer oder mit zwei Spitzen aus dem identisch aufgebauten Mittelfeld stürmen lässt, dann kommt nicht viel Spannung auf. Die Abwehrreihen sehen weltweit sowieso schon seit Jahren gleich aus. Das ist der moderne Fußball – taktisch, diszipliniert, zurückhaltend. Kurz: Furchtbar langweilig.

Und liebe WM, das macht auf Dauer keinen Spaß und mir gehen mittlerweile die Floskeln aus, mit denen ich beschreiben kann, dass Mannschaft X doch sehr tief gestaffelt stand und behäbig nach vorne spielte während ihr Gegner eher vorsichtig spielte und eine stabile Abwehr aufbot. Selbst die Brasilianer kann man nicht mehr aus vollem Herzen hassen, da sie ihren Angriffsfußball zugunsten einer geordneten Aufstellung aufgegeben haben.

Also liebe WM, ich habe mir das jetzt eine Woche lang angeschaut. Wenn sich das nicht bald ändert und mal das eine oder andere Feuerwerk abgefackelt wird, dann bin ich ernstlich verletzt.

Und dafür schreibe ich dann ab heute wieder täglich, ok?

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Achja… – WM Tag 8 (Teil 2)

20:10 Uhr

Schnitt. Und plötzlich steht Günther Jauch, den man ohne Touchscreen vor der Brust oder Zettel in der Hand kaum erkennt, auf einem Stadtteilfest irgendwo in der Lüneburger Heide, wo eine 90er-Jahre Coverband mit Helmut Lotti als Frontmann “Football’s Coming Home” [...] in eine nicht existente Menge schreit. Jauch schunkelt, daneben schunkelt Kloppo. Gesichter wie Büttenreden.

11Freunde Liveticker

Treffender kann man das Spiel der Engländer heute Abend nicht beschreiben. Ein Volksfest in der Lüneburger Heide mit schlechter Coverband – mehr hatten die Jungs von der Insel nicht als Geburtstagsgeschenk für ihren Trainer in petto.

Das war streckenweise grausig anzusehen und in den Phasen, in denen es nicht grausig anzusehen war, war es noch ein Stück schlimmer. Algerien hatte immer ein Bein zur Stelle, hatte auf die ideenlose Offensive der Engländer immer eine Antwort. Zum großen Stadionrock reichte das heute bei weitem nicht. Auch nicht als Vorband.

Das Spiel der ehemaligen Kolonie ein paar Stunden vorher war da schon ganz anders anzusehen. Die USA gefallen mir immer besser in diesem Turnier. Hungrig, mit Freude am Spiel und sich selbst nach 0:2 Rückstand nicht aufgebend, spielten die Nordamerikaner vor allem in der zweiten Halbzeit so manches slowenische Bein schwindlig. Der 1:2 Anschlußtreffer war eines der Tore, die England so gerne schießen können würde: Glanzvoll und erinnerungswürdig.

Dass sie dann in den Schlußminuten ungerechtfertigterweise um den Sieg gebracht wurden als der Schiedsrichter das 3:2 aus Gründen aberkannte, die nur ihm geläufig sind, ist schade für die USA, hält die Gruppe aber spannend. Wenn mir vor der WM jemand gesagt hätte, dass Slowenien nach zwei Spielen diese Gruppe anführt, hätte ich ihn wohl ähnlich ausdruckslos angeschaut wie Rooney den Ball im heutigen Spiel der Engländer.

Es kann nur besser werden.

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Deutschland besiegt Deutschland – WM Tag 8 (Teil 1)

Während sich auf Facebook* noch die Wut der deutschen Fans gegenüber des Schiedsrichters entlädt kann man nur ahnen, was Jogi Löw gerade mit Podolski anstellt. Die Erwartungen waren hoch nach dem Spiel gegen Australien. Gerade weil alle bisher kriselnden Spieler im deutschen Sturm so überzeugend gespielt und ihre Tore gemacht haben.

Hochgejubelt, Titelaspirant und klarer Favorit – diese Rolle bekommt Deutschland im Jahr 4 nach Klinsmann immer noch nicht so recht. Entsprechend bescheiden startete Löw in dieses Spiel. Klose stand vorne relativ allein herum – unterstützt nur von Podolski, der seine Rolle als hängende Spitze ein wenig zu ernst nahm.

Wäre Özil ein Verlag, so würde er nach diesem Spiel wohl ein Leistungschutzrecht bei der Bundesregierung beantragen. So richtig wußte man nicht, was er eigentlich zum Spiel der Deutschen beitrug, aber man hatte immer das Gefühl er wäre wichtig. War er aber nicht.
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Adieu – WM Tag 7

Heute mussten wir uns gleich von drei Dingen bei dieser WM verabschieden: Der Torflaute, dem Umstand, dass Griechenland nie ein WM Spiel gewinnt und Frankreich. Nur eines dieser drei Dinge kam für mich überraschend. Doch der Reihe nach.

Das Mittagsangebot der FIFA fiel heute überraschend opulent aus, was die Torausbeute anging. Dabei ist es keineswegs so als wäre das Spiel irgendwie herausragend gewesen – ganz im Gegenteil. Südkorea verstand es ganz fantastisch, ehrfurchtsvoll in der Gegend rumzustehen wobei sie sich sichtlich bemühten sich grob in der Gegend ihrer argentinischen Gegenspieler aufzuhalten, diese aber nicht weiter zu belästigen.

Beeindruckt von so viel Höflichkeit versäumte es der klare Favorit Argentinien dann zunächst das eine oder andere Tor zu schießen, so dass Südkorea dies freundlicherweise übernahm. Das Eigentor in der 16. Minute unglücklich zu nennen wäre zu nett, es war schlicht dämlich. Argentinien sagte artig danke und nutzte in der 33. Minute eine weitere Unachtsamkeit in der Hintermannschaft Südkoreas zum 2:0, was diese mit einem freundlichen Lächeln quittierten.
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Ottmar gegen alle – WM Tag 6

Ein Spiel wie Honduras gegen Chile wäre für die meisten Deutschen unter Nicht-WM-Umständen wohl so interessant wie das Training der zweiten Frauenmannschaft des VfL Plauen. Was schade ist, denn ich bin mir sicher, dass die zweite Frauenmannschaft des VfL Plauen guten Fußball spielt. Und auch Honduras gegen Chile war nicht so schlecht wie man vorher gedacht hätte.

Sicherlich: Torchancen waren rar, Strafraumszenen selten und der Aufbau einiger Spielzüge besonders von Honduras lösten keine Begeisterungsstürme aus. Dabei übersieht man jedoch, dass gerade Chile in diesem Spiel äußerst clever zu Werke ging. Aus einer (Achtung Fußballfloskel) kompakten Hintermannschaft spielten sie schnell und klug nach vorne, setzten zumindest im Mittelfeld immer nach und sorgten so für nett anzusehenden Fußball.

In der 34. Minute wurde das belohnt und Honduras mußte das einzige Tor der Partie gegen sich verkraften. Wie gestern Nordkorea blieben sie nach dem Rückstand ihrem System treu, was allgemein aus einer 7-Mann Abwehrkette bestand und durch drei defensive Mittelfeldspielern und einem Torwart abgesichert wurde. Das ängstliche 7-2-1; seit jeher ein Klassiker des unkreativen Defensivfußballs. Chile verwaltete, verpasste das 2:0 ein ums andere Mal und ging nach 90 Minuten als gerechter, wenn auch glanzloser Sieger vom Platz.

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