Eine Nacht im November 2008
The 2nd coming. Mindestens. Jedenfalls hat es sich so angefühlt. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob ich es gut finden soll, dass es möglich ist, Menschen in einem Wahlkampf so zu emotionalisieren, dass sie vor Freude über die Wahl ihres Kandidaten auf Washingtons Straßen tanzen.
Man stelle sich die grotesken Bilder aus Berlin vor, wenn die übrig gebliebenen 500 SPD Mitglieder bei der Wahl von Steinmeier als Kanzler um den Reichstag tanzen.
Auf jeden Fall: Herzlichen Glückwunsch an die Menschen in den USA, die mit der Wahl von Obama so viel Hoffnung auf Besserung verbinden. Ich wünsche Ihnen, dass wenigstens die Hälfte der Wahlversprechen umgesetzt werden.
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Jesus (Symbolbild)
Und ich kann nicht verstehen, warum es auch nur entfernt befremdlich sein sollte über die Wahl eines politischen Repräsentanten, der (zumindest augenscheinlich) die eigenen Vorstellungen, Werte, vielleicht sogar Träume vertritt auf der Straße zu tanzen. Besonders nicht, wenn man selbst mindestens ebenso extatisch wird, weil 10 Männer gegen 11 Männer einen 0:2 Rückstand beim Ballspielen aufholen.
Weil Rumpelfußball und das Lenken einer Großmacht zwei völlig verschiedene Dinge sind. Und ich habe auch nicht gesagt, dass ich die Gefühle nicht verstehen würde. Ich wundere mich nur, ob ich es richtig finden soll. Aber das ist meine ganz persönliche Sicht, da ich Politik, gerade in einem Land, dessen Entscheider einen Großteil der heutigen Welt beeinflussen, in meinen Augen möglichst rational gemacht werden sollte.
Aber ich gönne allen die Freude und die Erleichterung und kann sie nur zu gut nachempfinden. Nur ob ich sie gut finden soll, weiß ich eben noch nicht.
PS: Nicht nur aufholen… drehen!!! In ein 3:2!! In Unterzahl!!!! ;)
Das ist mein Punkt: Sich für Rumpelfußball dermaßen zu begeistern und zum Zugucken(!) in wesentlich größeren Zahlen (im Verhältnis) anzutreten als bei den wenigen Terminen, bei denen man Politik aktiv beeinflussen kann, auch Wahlen genannt, darüber wundere ich mich.
Dass man sich bei aller Euphorie dabei für den rationaler Handelnden entscheiden sollte steht für mich außer Frage – wie meiner Meinung nach geschehen -, aber darum geht’s ja gar nicht. Es geht um Rekordwahlbeteiligung und es geht um offen zur Schau gestellte Freude über den Sieg des Politikers, den man für den richtigen hält. Auf gar keinen Fall geht es darum, aus falsch verstandener Ideologie, einem solchen bedingungslos zu glauben, zu vertrauen und zu folgen. Das -vermute ich mal- ist der Gedanke, der an der “Richtigkeit” des Jubels zweifeln lässt?
PS: Das Prinzip “Persönlichkeiten” zu wählen, die für bestimmte Werte und Grundsätze und nicht konkrete Wahlversprechen stehen, halte ich in Zeiten sich so rasant entwickelnder und ändernder politischer Umstände für keinen schlechten Weg – auch bei uns.
Wahrscheinlich hast Du recht. Ich unterstelle bei solchen Szenen schnell eine fußballähnliche Oberflächlichkeit. Hoffentlich ungerechtfertigt. Sicher hab ich mich auch gefreut, denke aber, dass die doch recht deutliche Wahlentscheidung eher Ausdruck der allgemeinen Angst der US Bervölkerung ist und Obamas Kampagne eben sehr gezielt diese Ängste und die Hoffnung auf, ja, auf eben “Change”, gut instrumentalisiert und emotionalisiert hat, um die doch reecht dürftige Faktenlage seines Programms zweitrangig zu machen (nicht das McCain bessere Vorschläge hatte).
Das ist es wohl, was mich stört. Aber letztenendes sind das, wie schon gesagt, Unterstellungen, die ich nicht im mindesten beweisen kann. Vielleicht sollte ich mich einfach mitfreuen.